Langboote auf  Skandinavischen Felsbildern
In Schweden gibt es eine grosse Zahl von Felszeichnungen von Schiffen gekennzeichnet durch einen hochlaufenden Bug- und Hecksteven. Das Problem: Die Boote sind in der Form vergleichbar den fruehen Schiffen im Mittelmeer.

Die auffallende Form der nordischen Schiffe wird von Malmer 1980 in einer Arbeit ueber die Felsbilder in Skandinavien gedeutet.

"Zweifellos werden moegliche Prototypen der skandinavischen Schiffe, wie sie auf den Felsen dargestellt sind, auch im Mittelmeer gefunden. Aber warum wurde dieses Motiv in Skandinavien uebernommen?"
(Demnach auch hier die verbreitete Annahme, dass der Norden neben dem Ackerbau und der Metallbearbeitung auch die ´Seefahrt´ vom Sueden uebernommen hat.)

Die weitere Erklaerung ist einfach und abschliessend. " Diese Schiffe mobilisieren nahezu alles. Die Wanderung der Sonne ueber den Himmel, die Fahrt der Toten in eine andere Welt----Solche Deutungen gelten für alle Zeiten in allen Laendern."(Malmer)

Kann so sein, muss aber nicht. Vielleicht hilft eine naive Frage etwas weiter: "Weshalb wurden diese Schiffe in so grosser Zahl in die Felsen ´gezeichnet´"?

Zwei Moeglichkeiten:
1) Es sind  Abbilder des taeglichen Lebens. Wenn ja, was soll dann mit den Schiffen dargestellt werden". Stolz des Besitzers? Es gibt Boote mit und ohne Mannschaft. Es gibt keine Segel. (Das soll erst von den Roemern uebernommen worden sein)
2) Die Schiffe hatten Symbolbedeutung entsprechend den Votivbooten der Antike. (Aegypten, Sumer, Griechen) Boote zum Transport der Seelen ueber´s
´grosse´  Wasser. (Eine Vorstellung die im Alten Reich  Aegyptens gut dokumentiert ist)


Kultboote im Norden
0422
                            a                                 b                             c
a) Die typischen nordischen Boote mit hochlaufendem Steven. In beiden Schiffen ein Sonnensymbol. (Broendsted) Die Boote mit den auffallenden Steven und der verlaengerten Kiellinie lassen sich in grosser Zahl auf skaninavischen Felsbildern nachweisen. (Bronzezeit)
b) Amulet aus Bronze mit Sonne in einem Schiff. Grant, Mittelfrankreich, Ende Bronzezeit (Almgren)
c) Stilisiertes Schiff mit Sonne und Vogelkoepfen auf den Steven.Daenemark (Vogelkoepfe auch Carriazo Bronce)

Die Sonne in diesen Booten deutet in eine mythologische Richtung. Schiff und Sonne keonnten Symbol einer nordischen Sonnenreligion sein.

Das Problem: Welcher ´natuerliche´ Anlass fuehrte zur mythologischen Annahme, die Sonne muesste in einem Boote transportiert werden? Welcher Glaube bringt die Sonne im Norden ins Boot ? Zufall, dass in Aegypten die Sonne auch mit einem Boot uebers Firmament gleitet, gerudert von der Mannschaft eines raetselhaften Sonnenvolkes. (CT 1126)


Weiterfuehrend vielleicht ein Konstruktionsmerkmal. Die Form [a] entspricht im Typ den Schiffen der Seevoelker und  Phoenizier. Langgestreckt mit hochlaufendem Steven mit ´figuerlichem´ Abschluss. Problematisch ercheint die Deutung des ´Doppelrumpfes´.

Was bedeutet die ueber Bug und Heck herauslaufende ´Kiellinie´? Moeglich erscheint in der Diskussion so ziemlich alles, vom Rammsporn bis zum  Spanntengeruest fuer Felle oder gar Birkenrinde. ( Bei seegaengigen Langschiffen wegen der Wellen technisch wohl problematisch)

Vielleicht ist es irrefuehrend diesen ´Kiel´ funktional mit realen Schiffen zu verbinden. Diese herauslaufende Kiellinie koennte - naiv betrachtet - die Kufe eines Schlitten sein, dann koennte die Sonne im Ritual mit einem Schlittenboot gezogen worden sein. Eine symbolische Unterstuetzung der schwachen Wintersonne auf ihrem beschwerlichen Weg? Im Norden eine Vermutung, in Aegypten als Ritual nachweisbar . (Almgren)

Dazu eine stuetzende Beobachtung. Auf den skandinavischen Felsbildern haben m.W. getragene Boote keine Kufen. (Almgren)

   gezogene Boote
 


getragene Boote


 Fuer den Norden gibt es m.W. keine weiterfuehrenden schriftlichen Hinweise, aber es ist denkbar,  dass es einen mytholgischen  Zusammenhang gibt zwischen den nordischen Felsbilder und den Votivbooten der Pharaonen und Sumerer. (Ramses II schenkte während seiner 31 jährigen Regierungszeit verschiedenen Tempeln nicht weniger als 178 Schiffe. (Erman) )

Der Hintergrund der Votivboote koennte eine gemeinsame NW-europaeisch- vorderasiatische Mythologie gewesen sein sein. Zumnidest wird im Norden und im Sueden ueberliefert, dass Boote nortwendig sind, um die Verstorbenen ueber den Urozean, ueber das Todeswasser zum Horizont zu bringen. Am Horizont traf man die Goetter und erlangte das ewige Leben. Eine Vorstellung, die zumindest bei den Aegyptern in den Pyramidentxten schriftlich vorliegt  und - 4000 Jahre spaeter - bei den Nordleuten noch anklingt. (Bootsbestattung, friesische Sagen)

Naiv betrachtet koennten demnach aegyptische Quellen schriftliche Hinweise zur ´unbekannten´ Mythologie der Post-Ahrensburger geben.
Zugegeben vermutlich im besten Fall "nun ja, mag sein", denn da ist eine Zeitdifferenz von ueber 3000 Jahren, eine bedenklich grosse Entfernung und zudem zwei Kulturen, die sich in Entwicklung und Struktur kaum vergleichen lassen. Bleibt die Frage: Wie kommen die schriftlichen und archaeologischen Uebereinstimmungen zustande? (u.a. Cheop´s Totenboot und das Oseberg-Boot der Wikinger). Auf diese Frage habe ich keine Antwort gefunden.

Facit: Die typisch spitzovale Bootsform mit hochlaufenden Bug- und Hecksteven ist im Mittelmeer und im Norden nachweisbar. Diese technische ´Verwandtschaft´ wird gestuetzt durch moegliche mythologische Gemeinsamkeiten. Die Mythologie kann weiterhelfen.( Der Anfang der Spur liegt m.E vermutlich in den Pyramiden- und Sargtexten)

Almgren,O. Nordische Felszeichnungen als religioese Urkunden, 1934
Broendsted, J., Nordische Vorzeit, 1960
Malmer, J.P., A chronological study of north european rock art, 1980
skand-felsbilder
1.10.02
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