Die Spur der spitzovalen ´Langboote im
 europäisch-mediterranen Neolithikum


Wie bereits erwähnt könnten  aus technischer Sicht  Langboote bereits
im neolithischen Norden entwickelt worden sein, denn die notwendigen
technischen  Fähigkeiten  sind  um  3000 v.  nachweisbar  Die  Zeit der
Trichterbecherkultur und der Dolmen -  Megalithgräber..

1.)  Es konnten starke Bäume gefällt,
2.)  Bäume in baumlange Planken gespalten
3.)  und Planken in Klinkerbauweise miteinander vernäht
werden.

Problem: Ab wann lässt sich diese Schiffsform im Mittelmeergebiet
                                              nachweisen ?

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a) helle und dunkle Boote auf einer Keramik aus  einem Grab in Hiera-
konpolis (~3200 v) Links eine Gruppe von weissen gebogenen Booten
(nur eines gezeichnet) zusammen mit einem  einzelnen  Boot,  schwarz

mit  einem steil aufsteigenden Steven.

b) Nubt, Statue von  Sennefer. Mit  typischem   Seitenruder (Petri)  Die
Hütte  in der  Mitte erlaubt  eine  ungefähre  Schätzung  der Bootsänge
(10 m?)
Der hochlaufende  Steven bei a, b und  c könnte ein  Stevenmast sein
Bemerkenswert bei b) das typische Heckruder  der spitzovalen Boote
 wie  z.B bei  den  späteren  Seevölkern
.  Sichere  Hinweise  zur  Kon-
struktion  geben diese  Zeichnungen´ aber nicht.(Holz, Papyrus ?)
c) Schiff auf  einer Griffschale aus Syros, Ägäis (2800-2220 v.)

         c.3000 v..
a b
                                    c   d

a.) Bemaltes Leinentuch (!) aus einem Grabe bei  Gebelin.  Negade II
um 3000 v (Museo Egizio, Turin) Spitzovales  Boot  mit typischem Steuer-
mann am Heck
. Könnte ein genähtes Plankenboot sein.

Die  bärtigen  Ruderer sitzen mit  dem  Rücken zum Steuermann ! Wie
später um 800 v. die bärtigen Phönizier.(s.u.)  Technisch etwas verwun-
derlich.Das Ruder wird gedrückt, nicht gezogen. Übergangsphase vom

seitlichen Paddeln ?

b.)   Ritzung auf  einer  Holzplatte aus  Abydos.  Eine Art  seegehendes
Frachtschiff ? König Aha, um 3000 v.. Wie die  Balken (?)  miteinander
verbunden wurden ist  nicht erkennbar. Wer baute  diese  Schiffe?  Die
unbekannten  Dolmenerbauer in Palestina? Holte  mit  solchen Schiffen
Snefru, der Vater des Cheops, um c.2500 v..das Zedernholz  zum  Bau
dieser Schiffe aus dem Libanon ?
Oder wurden die ´ägyptischen´ Schiffe im Libanon gebaut?
In Byblos ?

c.)  Schiffsgrab in Abydos. Insgesamt 14 Schiffsgräber mit einer Länge 
von  26 Metern. Sie stammen alle aus der 1.Dynastie  

                                               Wo gebaut ?
Problem :Um  3000 v. lassen  sich  in  Ägypten   entsprechende   Werk-
zeuge zur Holzbearbeitung  nicht  nachweisen (Lucas),  zudem fehlt am
Nil spaltbares Langholz.
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                 Sumer Mesopotamien. 

             
                                               
Sumerisches Siegel.

S
pitzovale "Langschiffe"  mit hochlaufendem Hecksteven, die  in einem
Vogel- oder  Schlangenkopf  enden. Der für ein  spitzovales  Langboot
typische Steuermann trägt Hörner .

" From the East, that design  element  could  have  been  carried  west-
ward to the
Mediterranean by people  from  the  Mesopotamien region"
Collapse of the Bronze Age Manual, Robbins 2001  (keine genauere Datierungen)

Diese Bilder lassen nur bedingt technische Ruckschlüsse zu. Der  tech-              
nische  Ursprung  bleibt 
unbekannt.  
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Bleibt die Frage : Welche  technischen ´Standards´  gab  es  im dritten
Jahrtausend  v.  in Agypten  und Palestina?  
Frühe  Hinweise   auf  das
Nähen´ von Planken finden  sich in Ägypten beim Bau  von Holzwänden

.                    
 Verbindung von starken Holzbohlen (20 x 20 cm,Petri, Tharkan,2500 v.)
 Es wurden in die Bohlen Seilkanäle geschlagen. Überlappend  ´vernäht´

Petri war der  Meinung, dass  diese  Bohlenkonstruktion Vorbild  für  die
ägyptische  Nischenarchitektur sei. Bau von´´Wänden´  transportabel  für
umherziehende Nomadem
                       Der früheste Hinweis auf eine Klinkerbauweise?
 


Auch beim Totenboot des Cheops
 wird die Holznähtechnik nachweis-
 bar.  Der  König  befiehlt,  ihm  ein
 gewaltiges´pyramidales´ Grabmal
 zu errichten.  Der Bau gelingt
Schwieriger wird es aber mit einem
zweiten Auftrag des Königs.  Um zu
seinen Verwandten, den Göttern am
 Horizont  jenseits   des   Ozeans zu
gelangen,   benötigt     Cheops   ein
eigenes  Boot.  Entsprechend  dem
Selbstverständnis   des   mächtigen
Königs   ein  Boot  grösser   als  alle
anderen


Ein  solches  Boot  ist  an  der Südseite  der Cheopspyramide 1954 in einer
Steinkammer gefunden worden. (43.5 m  lang, 5.9 m breit,  Beplankung aus  Zedernholz, etwa 14cm dick, Gewicht  40000 Kg)  Das Boot  war  sicherlich
nicht  seegängig. Das verwendete ( Zedernholz ermöglicht  eine  kulturelle Verbindung  zu den bislang  ´problematischen´   0000  Megalithräbern  in
Palestina.)        

                        Wer konstruierte und baute das Königsboot ?

              Dover

Das Totenboot des Cheops ( c.2465 v.)  gibt Hinweise  auf  den Stand der Holztechnik im Alten Reich (2800-2200 v.).

Bei der bei einem grossen Boot notwendigen  Plankenstärke  ist  ein  Über-
lappen  in Klinkerbauweise nicht mehr möglich. Die dicken
Planken werden
über einen Balken mit einem
Tau  festgezurrt  Zwischen  den  Planken  see-
seitig ´Nut und Feder´. Es werden Spanten eingebaut.

Ein   technisch   interessanter  Übergang  von   der  nordischen  Klinker- zur
späteren mediter
ranen Karvelltechnik.

Dover.  Die   gleiche  Verbindungstechnik   erscheint   noch  tausend Jahre
später in  einem  Plankenboot  bei  Dover. (l= 15 m. um 1300 v.)
Den  Boden  bilden  zwei   Eichenbohlen, die  wie  bei  den  Pharaonen  mit
Stricken zusammen ebunden wurden. (Heute noch in Vietnam  )  Die Fugen
wurden mit Moos  verstopft.

http://www.archaeology.co.uk/timeline/ prehistory/dover/dover.htm

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                   Hinweis auf ´ Proto-Wikingerschiffe´.  710 BC 
                 

                     klick

Tansport von   Balken (Zedern?)  mit Hilfe   von   Langbooten  ( Khorsabad,
Sargon II .800 v.) Vermutlich  Phoenizier. Die  Nachfahren  der  Seevölker?
Die Ruderer sitzen in Fahrtrichtung. Die gleiche  Methode  wie 2000 Jahre
vorher  in  Negade 3200 B.C.(s.o.)  D.h   die Ruder  werden  gedrückt  und
nicht wie heute zum Körper gezogen.
              Schwer verständlich. Zeige nie dem Feind den Rücken ? 

              
                       
 Man trägt einen Bart
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                 prädynastisch                Seevoelker  1200 v.         Cariazo, Phoenizisch 700 v.
                    s.  Anati

Problem:  Warum  haben die ´nordischen´ Langboote und das Totenboot
des Cheops diese typyisch  hochlaufenden Steven ?
Eine  technische
Not-
wendigkeit ist nicht zu erkennen. Mythologisch ?

CARIAZO,   ein   bronze   Relief , Cadiz,  ( 700 v.)   vermutlich    phönizisch.
Eindeutig   ein   Boot   mi t hochlaufendem  Steven  mit  dem   Kopf   eines
Wasservogels. Der breite Schnabel eines  Schwans ?  Die  Frau  mit  den
typischen schulterlangen  Haaren der *Hathor* 
Links: Schiff der Seevölker im Kampf gegen  Ramses III.   Am Steven  der
Kopf  eines Wasservogels

Symbolisierten  hochlaufenden Steven  der  späteren  Wikingerboote der
Hals  eines Schwanes ? In der skandinavischen Mythologie geleiten zwölf
Walküren  des Odins nach  ihrer Wahl Gefallene  vom   Schlachtfeld  nach
Walhall.

                 Diese Walküren  werden als Schwäne beschrieben.

In  der Völundarkvida, einer  Heldensage der älteren Edda, wird berichtet,
dass drei Königssöhne auf dem Eis schreiten und  nach dem  Wild jagen
."Früh  im Morgen fanden sie am Strand drei Frauen, die spannen Flachs
bei ihnen lagen ihre  Schwanenhemden, es waren Walküren
".

Die  hochlaufenden  Steven  der Wikingeboote  könnten mythologisch mit
den schwanengleichen Walküren verbunden  werden.

Dieses typisch nordische Schiff mit dem Köpf eines  Wasservogels wird
in der Urnenfelderzeit (1200-800 v.)
auch in Ungarn als  Sonnenboot nach-
weisbar


         
         
Ungarn (1100-950 v.)                 Sonne im Schwanenschiff (Spanuth)
                                                     a.) Siem,  Dänemark  b.) Rossin, c.)Granzinm
                                                             d.) Prenzlawitz, e) Corneto, Italien

                                    

 Ein Schiff der Wikinger aus einer  zeitgenössischen Chronik.  Der Steven
am Bug endet mit einem Vogelkopf. Die abgeflachten Hecksteven  ähneln
den
phönizischen Booten 1500 Jahre vorher (s.o.)
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           Zur Technik          
Für den Anfang im Neolithikum wohl der entscheidende technische Vorteil:
Die Klinkeboote  wurden von  aussen nach  innen gebautIn  den´ fertigen´
Bootskörper  
wurden  Spanten  als  Verstärkung  passend   eingefügt , d.h.
die Bootsform konnte nicht
 verändert  werden.  Bei  der  späteren mediter-
ranen  Karvell -Techik wurde  die  Form  des  Schiffes durch  das
Spanten-
gerüst   bestimmt,  d.h auf  das  vorgefertigte   Plankengerüst   wurden  die
 Planken
befestigt.

Der Vorteil für den neolithischen Schiffsbauer:
1.) Der neolithische Schiffsbauer war nicht gezwungen,  die Planken in der
Breite so genau anzupassen, dass sie  aneinander gelegt eine  dichtende
Aussenhaut bilden konnten.
2.) Die  Planken  mussten  nur  soweit  überlappen, dass  sie  mit Stricken,
Holzdübeln,  Eisen- oder  Kupfernägeln  verbunden  werden  konnten.  Die
gewohnte  Nähtechnik der   Rentierjäger mit  ihren  Fellbooten  konnte  im
Grundsatz beibehalten werden.
3.) Beim Bau des spitzovalen Bootes werden  keine  formgebenden, tech-
nisch  aufwendigen  Spanten  benötigt. Die  typisch spitzovale  Bootsform
entsteht automatisch, wenn vom  Bug  zum  Heck  durchlaufende  Planken
etwas nach aussen gebogen  werden  und  vorne und  hinten an  die hoch-
laufenden Steven geschlagen werden

.Eine wesentliche, formverändernde,die " Leistung" des Boote steigernde
technische Veränderung  ist sytembedingt nicht möglich. Deshalb wurden 
spitzovale Klinkerboote in der typischen  Form über vier Jahrtausende un-
verändert gebaut..

    
                 Venedig                                     Boot des Narmers 3000 v.

Eine weitere Voraussetzung für die relativ gute Seefestigkeit dieser Boote,
ist die optimal erhaltene Zugfestigkeit der Bordwand. Da die Planken vom
Bug  bis zum Heck, ohne  Unterbrechung d.h  ohne stirnseitige  Verbindun-
gen  die  Bordwand  bilden,  bleibt  die  Zugfestigkeit  bei Spaltplanken voll
erhalten. Gesägte  Planken  reissen  schneller als  gespaltene  Planken, da

beim sägen Fasern durchschnitten  werden, bei Spaltplanken  aber nicht !

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Facit:

Bedingt  durch  die  spezielle  Technik  haben  die  nordischen  Langboote
über   vier  Jahrtausende immer die  gleiche  Form  .(3000 v.~1000)     Die 
Boote sindind unverwechselbar ´gleichgezimmerte ´.(Homer >iso<)  Lang-
schiffe mit hochlaufendem Steven  

Es entstehenv unverändert spitzovale Boote, deren Länge durch die Länge
des Baumstammes bestimmt  wird.(Narmer, Seevoelker, Phoenizier,Wikin-
ger) .Die technisch bedingte Formkonstanz kann für die Spurensuche über Jahrtausende hilfreich sein

          . Klinkerboote sind ein " vor- und frühgeschichtliches Leitfossil".

Bezogen  auf die  letztendlich  entscheidende Zug- und Biegefestigkeit des
Bootskörpers  entstand mit  den  nordischen  Klinkerbooten  ein  Gewicht /
Leistungsverhaeltnis, das im frühen Bootsbau von keiner anderen Holzkon-
struktion erreicht wurde.

Für  vermutete  küstennahe  Wanderbewegungen  entscheindent  wohl drei
Punkte:
1.) das relativ geringe Gewicht der Klinkerboote. Die Boote können ´ leicht ´ 
aufs Ufer gezogen und über kürzere Strecken von der Mannschaft über Land
`fortbewegt´ werden.
2.) Jeder flache Sandstrand wird zum  sicheren ´Hafen´.
3.) Mit Keil, Bohrer und spaltbaren Bäumen konnten die Boote ausgebessert
oder neu gebaut werden. Es eröffnen sich technisch ´endlos´ lange Wasser-
wege.


         1 + 2 + 3 = Die nordischen Klinkerboote waren in " früher" Zeit
                                           optimale  Wanderboote

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P.S.        

                          Entwicklung der Plankenverbände:

              

          

c+oben) Ziegel Methode Ägypten.c 1500 v.) Wenn am  Nil   Langholz nicht
wächst, dann  müssen zumindest die gewöhnlichen Flussboote aus  kurzen
Balken (vornehmlich Akazien)  gezimmert  werden.
Die Balken  werden  wie  bei  einer Ziegelmauer  übereinander  gelegt  und
 durch Dübel miteinander verbunden . Die Zugfestigkeit der Bordwand wird

u.a. von der Scherfestigkeit der  Dübel bestimmt.

a.) Im Norden werden die sich überlappenden  Planken  aneinandergenäht;
später bei den Wikingern mit Eisen- oder  Kupfernägel  verbunden.  Spann-
ten wurden  der Form angepasst. Von   der technischen  Weiterentwicklung
im Süden  werden die  pitzovalen  Klinkerboote  nicht  berührt .  Die Klinker-
methode  blieb  im  Norden über Jahrtausende  technisch   bedingt  nahezu
unverändert. 

Erst im späten  Mittelalter werden die  spitzovalen Klinkeboote  durch  kara-
vellgebaute Schiffe verdrängt. Die aufkommende Hanse  und  der spanisch
-nordeuropäische Wein-  Handel verlangten grössere und vor allem sichere
Transportschiffe.  Im Norden entstand die Hanse - Kogge.

b) Die Karvell-Methode.( Abgeleitet von Karavelle.) Planken   werden pass-
dicht mit Nut-Feder auf ein Gerüst von Spanten genagelt. Erst dieSpannten,
dann die Bordwand.Die Seeüchtigkeit  dieser Neuentwicklung  ermöglichte
den Portugiesen ihre Entdeckungsfahrten, denn .die Schiffe konnten gegen
den Wind segeln.

Der Vorteil : Die Form des Schiffes wird von  den Spanten vorgegeben, da-
durch  ist  die  Form des   Schiffes  weitgehend  anpassungsfähig 
Kleine,grosse, dicke, dünne Schffe aber komplizierter zu  bauen. (kaum mit
Steinwerkzeugen)

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Nebra Sonnenboot (1600 v.)  Drei Planken in Klinkermethode versetzt

Anati, E. Höhlenmalerei 1997 S.153  
"-Felsgravierungen aus dem Tal der Obern Nil (Zeichnungen aus einem Foto  
von H.Winkler, 1938, Bd.I Taf.XXIIl  )"

Lucas,A. and Harris,J.R. Ancient Egytian Materials and Industry, 1962


     technik-III  20.12.03, 08.07 up. .

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Um 1100 v. kaempfen  * Seevoelker* am Nil mit Proto-Wikingerschiffen


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