18.3



english

 

          Mensch, Rind und Waldweide
                           eine  kulturprägende Verbindung

Die   Kultur  eines Siedlungsgebietes  wird   wesentlich   geprägt  von
der möglichen optimalen Bodennutzung. 
Bei den Nomaden ist es die Viehzucht und bei den Inui ist  die Grundlage die Jagd  und der Fisch-  fang. In  Ägypten  und  Mesopo tamien  (Sumer) war   die  Grundlage
 zur Zeit  der Hochkulturen der Ackerbau .

Problem
: Welche optimal mögliche  Bodennutzung formte die ´Kultur
der  Post-Magdalénier im Gebiet der westlichen Ostsee?

Diese  Frage    erscheint  auf  den  ersten  Blick überflüssig,
denn  sie  ist  oder   erscheint    seit 100  Jahren    schlüssig beantwortet.  Die Annahme:  Die  Entwicklung  der Kultur im
im Norden wurde wesentlich beeinflusst durch  den Vordern Orient.  Dort  sind Ackerbau  und Viehzucht (?)  eindeutig die materielle Grundlage  der frühen  Hochkulturen.
Naheliegend dann die Anahme, dass aus diesen  Gebieten  die  kultur- prägende  Kenntnis  des  Ackerbaus etwa ab dem  6.ten Jahrausend v. auch in den Norden gelangte.
             In der vorgelegten Arbeithypothese werden  Zweifel formiliert
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Zum  Ende  der  Eiszeit  um10000 entsteht im  Bereich der westlichen Ostsee    ein  extrem  nördlich  gelegenes  Neuland.   Es liegt  geogra- phisch auf der Höhe von Neufundland oder Kamschatka.   Ein Lebens- raum für Bären und Elche.

Die  Voraussetzung  für  das Überleben  der  eingewanderten  magda- lenischen Rentierjäger ist im Norden der Golfstrom und  der Westwind. Deshalb  gedeihen    - trotz  des  ungemütlichen   Breitengrades -    im
´hohen´ Norden Hasel, Eiche, Linde, Ulme und später auch  die Buche.
 Es entsteht auf fruchtbaren ´dänischen´ Böden ein bewaldetes Grass- land.

Soweit  wohl  Übereinstimmung. Schwierig  wird   es,  wenn  nach  der
best- möglichen Nutzung der Böden auf den Dänischen Inseln, Jütland 
und Schleswig-Holstein  gefragt wird 

       Lohnte ein neolithischer Ackerbau im   subkritischen Norden ?

Die Frage ist archäologisch  quantitativ  systembedingt wohl  kaum zu
zu  beantworten. Ein  flächendeckender  Nachweis  gelingt  nicht.
 


Hypothese:        Die  mesolithisch  optimale  Nutzung  dieser  vom  Eis
befreiten dänischen´ Böden gelingt einem Tier, einer friedfertigen Kuh,
die sich melken lässt und  gerne  die Blätter in  einem  Laubwald  frisst


   
        Diese Hypothese wird gestützt  dutch einen vermuteten

      Ein Konkurrenzkampf zwischen Rind und Laubbaum.

 Ein biologischer Kampf, den in der Regel der Laubwald verliert
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Archäologische Hinweise auf einen Konkurenzkampf  zwischen  Laub- wald  und  Rind gibt  es  in  der  Bronzezeit  im  Gebiet  der westlichen Ostsee.
"Um  etwa  2300  bis 1800 v. Chr.  konnte  im  Polleninhalt  der  Moore
keine eigentliche Veränderung in der  Zusammensetzung  des  Eichen-
mischwaldes festgestellt  werden, wohl  aber eine  kräftige  Expansion
solcher  Kräuter, die  zu  einer  offenen  Grasslandschaft   gehören, u.a. Grosser Wegerich und Weissklee. Das deutet auf  das  Bestehen  von weitgestreckten Weideflächen mit frei umherziehendem Vieh
".
(Broendsted 1960)

Entstanden die freien Flächen vielleicht durch Brandrodungen ? Probllematisch wohl im  relativ feucht-kühlen Megalithgebiet der  estlichen Ostsee einen hochstämmigen Laub- wald  durch Feuer zu roden.

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                                           Hutewälder


 

      Waldweide , kein nachwachsendes Jungholz zu sehen. Verbiss.
Wenn
die Kühe im Winter gefüttert und vor natürlichen Raubtieren z.B
Wölfen geschützt
werden,
dann vermehren sie sich und der Laubwald stirbt.

Die  Folgen einer seit  etwa  900  Jahren  kontiernuierlich  betriebenen Waldweide ist  in Südengland   anschaulich  überliefert im  Gebiet des 

                                            New Forest

Das  heutige Naturschutzgebiet diente den normannischen Herrschern                                           als  Fleischlieferant. 

Rind  und  Pferd können sich bis heute in diesem Gebiet frei bewegen.
Zwischen  grossen  Weideflächen  liegen  einzelne  Waldgebiete,   die
heute  forsftwirtschaftlich  betrieben  werden.  Diese Waldflächen  sind mit Gattern eingezäunt, um den Zugang von Rindern zu verhindern .
Auf   den  Almen,  den  Weideflächen  der Alpen  wird   die  Zahl  der
Rinder begrenzt, um u.a.  den  angrenzenden  Bergwald  zu schützen.

Nach  den  Wüstungen  der  Pestperioden  und dem 30-jährigen Krieg
fehlte es an  Arbeitskräften.  Es  wurde  verstärkt  Vieh  in   die Wälder getrieben, Eine wahre "Hutewaldperiode" begann, die auch in Pollen-
an alysen  nachweisbar ist.


Das  Ende  der  Hutewälde r begann  bereits  im 17.Jahrhundert .Holz
wurde
knapp. Hutewälder wurden weiter gerodet oder wegen der Holz-
not auf
geforstet .
  Die ungeregelter Waldnutzungen wurde verboten.
http


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Zurück  ins  Neolithikum,  in  die  nordische Trichterbecher
Zeit (4100-2700 v.) mit ihren Magelithgräbern.
Es  ist denk
bar,  dass das  Rind  sich  im Gebiet  der west- lichen Ostsee durchsetzte, weil  der Mensch  die natürliche Waldweide der ´Waldrinder´unterstützte.

                      Rentierjäger jagten nicht mehr die Beute.
                                Der Jäger wird zum Rinderhirten

      Durch Fütterung im Winter wird die Überwinterung erleichtert.

Die  natürlichen  Feinde werden gejagt.  Der Mensch  verändert  damit
allmählich   das  natürliche  Gleichgewicht   zwischen  Raubtieren   und
Pflanzenfressern. Der Jäger ersetzt  das fehlende ´regulierende´ Raub- tier, u.a
den Wolf..

                                                           

                                                    Auerochse  -  Rückzüchtung  klick      
Es  entsteht im Norden eine kulturptägende Lebensgemeinschaft, eine
Symbiose   zwischen   Mensch  und Rind.  Die  Basis  einer  speziellen kulturellen   Entwicklung     der     nordischen    Post-Magdalénier   wird erkennbar
                          Die weitere kulturelle Entwicklung im Norden
Zuerst nur  eine Familie in einer  Lichtung mit   einigen  Rindern. Durch
die  Waldweide   der  Rinder  können Jungbäume  nicht nachwachsen.
Rodungen und Waldbränd  geben keinen Sinn.
Die  Lichtungen,  die  Familie  und  die  Zahl der  Rinder wird langsam  grösser und grösser.  Automatisch !
Mit der Milch, dem Blut und  em  Fleisch der Rinder gelingt  die Anpas- sung  der  nordischen  Post-Magdlénischen   Rentierjäger.   Die Gentik passt sich über die Lactase-Persistenz an.
 Folgerichtig  erscheint,  dass  eine  Mutter-Kuh  zur  zentralen  Gottheit einer  Natureligion im Norden werden konnte

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                        Bronzezeit,   Langhaus. Mensch und Rind unter einem Dach

Haus-Stallungen   von  30 Tieren sind  mit   Beginn der Bronzezeit um 1800 v. nachgewiesen. Kühe  wurden im Neolithikum in Stallungen im oder am  Haus  gehalten  (s.Fokkens  (Google))
Man  wohnte  mit  den  Kühen  unter  einem   Dach . Naheliegend  eine
enge   wirtschaftliche, soziale  und  mythologische  Verbindung  zu  ver-

muten  .In  der Folge wurde das Horn  -neben der Sonne - zum Symbol einer im Ursprung wohl megalithischen Naturreligion.
(Eine Symbolik. die sich auch in der Religion der Pharaonen nachweisen lässt
)

Die Familien leben  systembedingt  eng zusammen  mit  ihren Tieren
in ihrer Lichtung, denn die Tiere  müssen  täglich  mehrfach  gemolken
werden. Die  Lichtungen mit den Kühen  bilden  die  Lebensgrundlage. Nur wenn es den Tieren gut geht, geht es auch den Menschen gut

Die  Lebensgrundlage, die Lichtung mit  den Kühen  muss  verteidiegt
werden. Folgerichtig
  tragen die  ehemaligen  Rentierjäger  im Norden
- wie  
seit   Jahrtausenden -  weiter   Waffen.   Man  hält   Abstand  zur
Lichtung des  
Nachbaren, denn der  trägt auch Waffen. Es entsteht ein typisches Siedlungsverhalten .
Ohne ethnische Spannungen in der Annahme, dass in d ieses isolierte 
Gebiet  weder  Indogermanen, Kurganvölker, proto-Kelten oder Streit- axt-  völker eingewandert sind.  

Tacitus  berichtet Jahrtausende  später in  seiner  Germania (16)
"Es   ist   allgemein   bekannt,  dass  die   Germanenstämme  nicht   in
Städten 
leben,  ja  überhaupt  nichts  von  untereinander  verbundenen Wohnsitzen  wissen wollen;
sie siedeln in einzelnen, weit ab liegenden Gehöften je  nachdem  wie  ihnen ein  Quell, ein Feld oder Hain gefällt."

Dörfer  und  Städte  geben - bis   in  historische  Zeiten        -  für milch trinkende´ Rinderhirten   wirtschaftlich  keinen  Sinn.   Sie ´stören´  den täglichen  Ablauf.

 Feudalistische  Strukturen  können  sich  im Norden  nicht  entwickeln.    (Wer unterwirft wen? ) und  damit sind  die  sozialen  Voraussetzungen   fur  die  Ent wicklung  einer ´orientalischen´ Hochkultur, -  materiell  und soziologisch gegründet auf dem Ackerbau -  im Norden nicht gegeben
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Kulturgüter, die den  Archäolgen  erfreuen müssen  irgend  wie  bezahlt werden. Mit Frondienst oder Blut.
Problem: Wer  erhebt  bei  Waffenträgern  Steuern ?

Im neolithischen Norden bezahlte vermutlich  keiner freiwillig für  Dinge, die er nicht  selbst   verwenden   konnte.  Wer  braucht  im  Norden  als Pyra miden ? Für wen und  für was ?  Das  Statussymbol  war   wie bei allen >Kapitalisten< die Anzahl der Häupter.  (lat. CAPUT = Haupt)

Fazit

       Bedingt durch Klima und Bodengüte entsteht im isolierten
                           Gebiet  der westlichen Ostsee eine
                            Symbiose von Rind und Mensch.

    E
ine Kultur von waffentragenden, milchtrinkenden  Rinderhirten.

 P.S.

Hesiod ":Blüht dann die Distel, sitzt die Zikade schrillend im Baum und
giesst
endlose Töne nieder, unter  den  Flügeln hervor, zur Zeit des läh-
menden  Sommers,
  dann sind die Geissen am fettesten und der Wein
am besten, sind die Frauen am
geilsten, die Männer aber am schlapp-
sten, weil ihn Sirius Haupt und Knie dörrt
und ihr Leib vom  Gluthauch
schmachtet. Da  nun  suche im  Schatten  am  Fels  und
Thrakerwein,
Gerstenbrot mit Milch von  entwöhnten Ziegen,  Fleisch  einer Kuh,

die frisches Laub geweidet."


Broendsted, J. Nordische Vorzeit, 1960

waldweide 14.07.04  , 11.07 up

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weiter    Im Norden: Viehwirtschaft oder Ackerbau?
Im fruehen Norden lohnt sich der Ackerbau aus klimatischen Gruenden nicht



P.S.

Warum wurden die Wälder in Endneolithikum mit Feuer in eine offene Parklandschaft verwandelt? Hinter einer solchen großflächigen Umstrukturierung der Waldbestände muss ein Wirtschaftsphänomen stehen, das großflächig die Landschaft einbezieht. Die archäobotanisch nachgewiesene Ausbreitung von Weißdorn-Schlehen-Gebüschen kann eigentlich nur mit Viehweiden in Zusammenhang gebracht werden; viehwirtschaftliche Nutzung hat im Wurmtal sogar zur vorübergehenden Existenz einer grünlandartigen Vegetation geführt (Kalis / Meurers-Balke 2003, 265 ff.) Der gleichzeitige Rückgang von Ulmen- und von Lindenmischwäldern zeigt, dass sowohl die grundwasserbeeinflussten Böden in den Tälern als auch die Lindenwälder außerhalb der Täler betroffen waren. Offensichtlich wurden (mit Ausnahme der Erlenbruchwälder) alle Landschaftsbereiche umgestaltet – und zwar gleichgültig, ob sie vorher schon genutzt waren oder nicht, ob sie wie die Lösshochflächen eher für den Ackerbau oder wie die Bach- und Flusstäler eher für die Viehwirtschaft geeignet waren. Eine solche wenig selektive Nutzung finden wir heute vor allem bei einer Beweidung der Landschaft durch große Herden freilaufenden Viehs. Bei einer solchen Landschaftsnutzung sollte der Ackerbau eine geringere Rolle als vorher gespielt haben. Am Ende des Neolithikums hatte offenbar die bäuerliche Wirtschaftsweise ihren Schwerpunkt vom Ackerbau auf die Viehhaltung verlagert. (Google)  

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